Schloss Bellevue

Das Schloss Bellevue erhebt sich am Spreeweg, nordöstlich der Siegessäule, im Stadtteil Berlin-Tiergarten. Der Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten befindet sich unmittelbar am Spreeufer und zählt, neben den Reichstagsgebäude oder dem Brandenburger Tor, zu den bedeutendsten architektonischen Sehenswürdigkeiten im Berliner Stadtzentrum.

Schloss Bellevue
 entstand im Auftrag von Prinz August Ferdinand, dem jüngsten Bruder Friedrichs des Großen. Er ließ sein Sommerpalais vom preußischen Baumeister Michael Philipp Boumann planen. In den 1785 vollendeten Bau wurden Gebäudeteile eines wenige Jahre zuvor von Knobelsdorff errichteten Landhauses einbezogen. Der zweigeschossige Dreiflügelbau gilt als erstes klassizistisches Gebäude in Berlin. Der lang gestreckte Hauptbau des Schlosses wird von 19 Fensterachsen getragen und vom “Spree-” und vom “Damenflügel” flankiert. Im Inneren wurde das Schloss Bellevue häufig umgestaltet. So zum Beispiel durch Hitlers bevorzugten Architekten Paul Otto August Baumgarten im Jahre 1938. Im Zuge des Umbaus zum Gästehaus der Reichsregierung entstand auch der jetzige Mitteleingang. Ursprünglich verfügte das Schloss über zwei Seiteneingänge.

Im II. Weltkrieg wurde das Gebäude durch Brandbomben schwer beschädigt. Beim von Karl Heinz Schennicke geleiteten Wiederaufbau zwischen 1954 und 1959 orientierte man sich am historischen Vorbild, eine Annäherung konnte jedoch nicht erreicht werden. Allein der 1791 von C.G. Langhans geschaffene ovale Festsaal blieb erhalten und dient heute der Regierung für Empfänge und besondere Anlässe.

Prinz August Ferdinand nutzte Schloss Bellevue als Landsitz und Lustschloss, bis er 1813 starb. Danach wurde das Gebäude von seinem Sohn August bewohnt. Im Jahre 1843 erwarb Friedrich Wilhelm IV. von Preußen das Schloss und eröffnete im Erdgeschos mit der “Vaterländischen Galerie” den Vorreiter der Berliner Nationalgalerie. Im I. Weltkrieg wurde das Schloss von der Heeresleitung als Ort für Besprechungen und Zusammenkünfte genutzt. In den Folgejahren diente Schloss Bellevue als Bürogebäude, Ausstellungs-Ort des Staatlichen Museums für Deutsche Volkskunde, sowie als Volksküche. Als Amtssitz des Bundespräsidenten wurde das Schloss erstmals 1959 von Theodor Heuss übernommen. Richard von Weizsäcker machte Schloss Bellevue im Jahre 1994 zum ersten Amtsitz des deutschen Bundespräsidenten. Zwischenzeitlich befand sich auch eine Privatwohnung für das Präsidentenpaar im Schloss. Diese wurde jedoch lediglich von Roman Herzog genutzt und musste Büroräumen weichen. Das Schloss Bellevue ist nur ausgesuchten Gästen vorbehalten und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Besuchern offen steht dagegen der 20 Hektar große Schlosspark. Im Westteil der Anlage wurde ein englischer Landschaftspark angelegt, hierfür hatten britische Gartenfreunde Pflanzen gespendet. Auch das britische Königshaus hatte sich an der Aktion beteiligt. Als beliebter Treffpunkt im Park gilt das Stroh gedeckte Parkhaus, wo wechselnde Ausstellungen und Konzerte stattfinden.

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