Regierungsviertel

Als das Band des Bundes werden die Gebäude bezeichnet, die Ost- und West-Berlin über die Spree miteinander verbinden. Erbaut wurde das Band des Bundes nach dem Beschluss des Deutschen Bundestages im Jahr 1991, den Regierungssitz nach Berlin zu verlagern. Das Band des Bundes beginnt beim Bundeskanzleramt und reicht über das Paul-Löbe-Haus, das verschiedene Büros und Sitzungssäle beherbergt, über die Spree bis zum Marie-Elisabeth-Lüders-Haus mit der Parlamentsbibliothek. Für den Bau galt der Reichstag als Orientierungspunkt.

Mit beinahe 900 Meter Länge stellt das Band des Bundes eine beeindruckende Reihe moderner Architektur bereit, zu dem auch eine eigene Bundestags-Kinder-Tagesstätte zählt. Das Gebäude-Ensemble legt sich in Form eines Riegels über den Spreebogen und wird über den Fluss mit Brücken verbunden. In den ursprünglichen Bauplänen war vorgesehen, das Band des Bundes mit dem Bahnhof Friedrichstraße zu verbinden. Doch die finanzielle Situation erlaubte dies noch nicht.

Verantwortlich für die architektonische Konzipierung sind Axel Schultes und Charlotte Frank aus Berlin , die die Ausschreibung zur Neugestaltung des Spreebogens im Gesamtkonzept gewinnen konnten. Für die Entwürfe des Paul-Löbe-Hauses und des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses zeichnet Stephan Braunfels verantwortlich. Das Februar 1997 fertiggestellte Bauvorhaben gilt als Symbol der Wiedervereinigung der beiden Berliner Stadthälften.

Sowohl das Reichstagsgebäude als auch das Band des Bundes kann besichtigt werden. Ein Personalausweis ist nötig. An schönen Tagen reicht der Blick von der Kuppel des Reichstagsgebäudes weit über die Stadt und die architektonische Gestaltung des Spreeufers bietet Platz zum Verweilen. Die Nähe zum neuen Hauptbahnhof bietet beim Berlinbesuch Besichtigungsmöglichkeiten auch bei wenig Zeit.

Noch ist das ursprünglich angedachte Band des Bundes nicht wirklich fertig gestellt. In der Entwurfsphase mussten bereits durch die Orientierung am Reichstagsgebäude viele Diskussionen überwunden werden, da der nationalsozialistische Bau viele Gegenstimmen auf den Plan brachten. Die Kunstaktionen im Jahr 1995, die Christo und Jean Claude vollbrachten, beruhigte die hitzige Diskussion etwas. Heute gilt der Besuch der Kuppel als touristische Attraktion. Die Idee der Architekten, die Spree zu überspannen und damit symbolisch die Exekutive und die Legislative in Verbindung zu setzen, fand schließlich große Anerkennung. Das Band des Bundes setzte den nationalsozialistischen Verhaftungen des historischen Ortes eine Metapher entgegen.

Dass das Bürgerforum, das das eigentliche Herz der architektonischen Entwürfe darstellen sollte, bis heute keine bauliche Umsetzung erfahren konnte, bietet für die Zukunft eine gedankliche Fortsetzung der wichtigen Diskussion eines solchen historischen Ortes. Das Gelände reicht vom Reichstagsgebäude bis zur „Schwangeren Auster“, dem Haus der Kulturen der Welt und bietet mit seinen Grünanlagen Platz zum Spazierengehen, Nachsinnen und Verweilen.

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