Komische Oper

An der Stelle, wo einst das wegen seiner Operettenaufführungen weltberühmte Metropoltheater stand, steht heute die Komische Oper, das dritte Opernhaus Berlins. Nach den starken Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg waren nur noch das neobarocke Zuschauerhaus mit seinen mittlerweile 1190 Plätzen und die Bühne des 1891-92 erbauten Theatergebäudes übriggeblieben, und so wurde das Theater 1947 zunächst provisorisch wieder aufgebaut. Bei einem Umbau durch die Architekten Kurt Nierade und Fritz Kühn erhielt es 1965-66 seine schlichte moderne Fassade. Das Foyer wurde 2005 von Stefan Braunfels neu gestaltet.

Den Namen „Komische Oper“ erhielt das Haus von seinem ersten Leiter nach der Wiedereröffnung, dem berühmten österreichischen Regisseur Walter Felsenstein, in Anspielung auf das Pariser Theater gleichen Namens (die „Opéra Comique“). Damit wollte er sein Haus zu einem Gegenpol zu der „großen Oper“ unter den Linden machen. Doch bald wurde das Repertoire, das sich zunächst auf die klassische Operette beschränkte, um die Werke Wolfgang Amadeus Mozarts, Giuseppe Verdis etc. erweitert. Das Orchester wurde von Leo Spies gegründet. Unter Felsensteins Leitung erregte die Komische Oper schnell Beachtung über die Grenzen Berlins hinaus und lockte auch die großen Dirigenten der damaligen Zeit – Otto Klemperer, Rudolf Kempe u.a. – hierher. Bis heute gilt das Haus als Geburtsstätte des modernen Musiktheaters, zu Felsensteins berühmtesten Inszenierungen gehören Mozarts „Zauberflöte“, Janaceks „Schlaues Füchslein“ und Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“.


Auch heute noch wird in der Komischen Oper, die 2007 von der Fachzeitschrift „Opernwelt“ zum „Opernhaus des Jahres“ gekürt wurde, der Begriff „Musiktheater“ großgeschrieben. Musik und Wort werden als gleichberechtigte Komponenten angesehen, weshalb die Komische Oper eines der wenigen Opernhäuser Deutschlands gehört, wo die Werke nicht in der Originalsprache, sondern auf Deutsch gezeigt werden.

Seit 2004/05 wird die Komische Oper von dem Regisseur Andreas Homoki als Intendanten geleitet. Generalmusikdirektor ist seit der Spielzeit 2010/11 der junge Nürnberger Dirigent Patrick Lange. Der Spielplan der Komischen Oper umfasst jährlich sieben Neuinszenierungen und etwa 18 Wiederaufnahmen aus dem Bereich der Oper und der Operette, deren rund 250 Aufführungen von über 180.000 laut einer Forsa-Umfrage relativ jungen Zuschauern pro Jahr besucht werden.

Bisher einmalig in den deutschen Opernhäusern ist die neue Übersetzungsanlage. An jedem Platz befindet sich ein Display, das jeder Besucher individuell nach seinen Bedürfnissen an- oder ausschalten kann, und auf dem der Text des Stückes wahlweise auf Deutsch oder auf Englisch mitgelesen werden kann.

Einen anschaulichen Einblick hinter die Kulissen wird bei den Führungen geboten, die meist am Wochenende vom Opernhaus veranstaltet werden.

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