Alte Bibliothek – Die Kommode in Berlin

Am Bebelplatz, südlich der Straße Unter den Linden, befindet sich die Alte Bibliothek. Die ehemalige Hofbibliothek ist das älteste Bibliotheksgebäude der Stadt und gehört heute zur Humboldt-Universität. Die Berliner tauften das Gebäude wegen der geschwungenen Form seiner Fassade bereits kurz nach dem Bau „Kommode“.

Die Alte Bibliothek sollte ursprünglich ein Teil des Forum Friderizianum werden. Die Pläne Friedrichs II. für das auch als Lindenforum bezeichnete Großprojekt änderten sich jedoch grundlegend, als er beschloss, seine Residenz von Berlin nach Potsdam zu verlagern. Schließlich wurden nur einige der geplanten Gebäude erbaut, u.a. die Alte Bibliothek. Vor dem Bau der Bibliothek waren die etwa 150.000 Bände der königlichen Büchersammlung in einem Seitenflügel des Berliner Stadtschlosses untergebracht. 1774 beauftragte Friedrich II. den französischen Architekten Bartholomée Bourdet mit dem Bau der Bibliothek, lehnte seinen Entwurf aber ab. Das Gebäude wurde schließlich nach Plänen von Georg Christian Unger errichtet. Dessen Bauplan liegt auf ausdrücklichen Wunsch Friedrich II. der Entwurf des Architekten Joseph Emanuel Fischer von Erlach für den Michaelertrakt an der Wiener Hofburg zugrunde. Die Bauarbeiten in Wien wurden 1730 eingestellt und erst 1893 vollendet, wobei die ursprünglichen Pläne abgewandelt wurden. Das Berliner Gebäude wurde in den Jahren 1775 bis 1780 errichtet. Die Kopie wurde damit mehr als hundert Jahre eher erbaut als das Original und ist zudem originaler als das Wiener Bauwerk.

Die Königliche Bibliothek war von Anfang an nicht nur dem Königshaus, sondern auch den Gelehrten und seit Eröffnung der Universität im Jahr 1810 auch den Studenten zugänglich. Ab 1831 wurden hier auch die Büchersammlungen der Universität und später zudem die Kulissen der nahen Staatsoper untergebracht. Nach der Eröffnung der Preußischen Staatsbibliothek im Jahr 1909 wurde die Alte Bibliothek zu einem Hörsaalgebäude umgebaut und nun überwiegend von der Juristischen Fakultät genutzt. 1945 brannte die Alte Bibliothek vollständig aus und wurde erst 1965 bis 1969 wieder aufgebaut.

Die Alte Bibliothek in Berlin ist das einzige hochbarocke Bauwerk, das in Norddeutschland erhalten geblieben ist. Die beiden Geschosse der Bibliothek haben jeweils zwei Fensterreihen, wodurch das Gebäude vierstöckig zu sein scheint. Die Fassade wird durch Risalite in der Mitte und an den beiden Ecken geprägt. Auf den Risaliten befinden sich insgesamt vierzehn Figuren und zwei Prunkvasen von Wilhelm Christian Meyer d. Ä. Die Skulpturen stellen die Musen dar und zeigen die humanistische Gesinnung Friedrich II. An die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933, bei der auf dem Bebelplatz 20.000 Bücher verbrannt wurden, erinnert eine Gedenktafel.

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